Aktuelle Pressemeldungen

6. Dezember 2010

Kein Krieg im Klassenzimmer

Wir bedauern die Ablehnung der Resolution „Keine Jugendoffiziere an Lübecker Schulen“ durch die Bürgerschaft. Leider wurde unser Appell, dass das Werben und Rekrutieren von Jugendoffizieren an Lübecker Schulen beendet werden sollte, von der Mehrheit nicht mitgetragen. Die Jugendoffiziere der Bundeswehr wirken seit 1958 im Rahmen des Unter­richts, aber auch mittels organisierter Kasernenbesuche, Seminaren und dem Simulationsspiel „POL&IS“ unmittelbar auf SchülerInnen ein. Der Inhalt des Spiels ist die Simulation zwischenstaatlicher Beziehungen und Interessen. Die Teilnehmer schlüpfen dabei in die Rollen von Vertretern aus Regierung, Opposition, Wirtschaft und Militär verschiedener Regionen. Meist gibt der Jugendoffizier dabei den Spielleiter. Ihre Aufgabe ist es, die „sicherheitspolitischen Entscheidungen“ der Bundes­regierung zu erklären. Jugendoffiziere sind keine „Experten“, sondern, wie es auch auf der Home­page des Bundesministeriums der Verteidigung  heißt, „Öffentlich­keitsarbeiter der Bundeswehr“. Ihr Einsatz im Unterricht läuft daher zwangsläufig darauf hinaus, den Schülerinnen und Schülern eine einseitig vom Militär bestimmte Sicht auf die deutsche Außen- und Militärpolitik zu vermitteln. Kritik am völkerrechtswid­rigen Überfall der Bundeswehr und anderer NATO-Armeen auf Jugoslawien 1999, an den deutschen Unterstützungsleistungen für den ebenfalls völker­rechtswidrigen Irak-Krieg 2003 und an der Tötung von weit über 100 Men­schen, das die Bundeswehr im September 2009 am Kundus-Fluss in Afghanis­tan zu verantworten hatte, ist von den Jugendoffizieren kaum zu erwarten.